Für Bayerns Rentnerinnen fällt die Bescherung bescheiden aus

20. Dezember 2017

Rentenzahlungen reichen für viele Frauen nicht zum Leben – im Landkreis Fürstenfeldbruck beziehen Frauen fast 550 Euro weniger Rente als Männer, in Landsberg am Lech 500 Euro, im Berchtesgadener Land fast 400 Euro weniger Rente.

Besorgt reagiert der Landtagsabgeordnete Dr. Herbert Kränzlein auf die neuesten Zahlen des Bayerischen Arbeitsministeriums, wonach Frauen im Landkreis Fürstenfeldbruck lediglich 74,5 Prozent der Durchschnittsrente im Landkreis erhalten. In Fürstenfeldbruck sind das 690,79 Euro, Männer erhalten durchschnittlich 1237,91 Euro (Durchschnittsrente 927,18 Euro).

In Landsberg am Lech bekommen Frauen lediglich 74,2 Prozent der Durchschnittsrente im Landkreis. In Landsberg sind das 613,37 Euro, Männer erhalten durchschnittlich 1097,21 Euro (Durchschnittsrente 827,13 Euro). Frauen im Berchtesgadener Land erhalten lediglich 79,7 Prozent der Durchschnittsrente im Landkreis. Im Berchtesgadener Land sind das 605,67 Euro, Männer erhalten durchschnittlich 981,42 Euro (Durchschnittsrente 760,19 Euro). „Damit lässt sich kein altersgerechtes Leben bestreiten“, warnt Kränzlein. „Es darf nicht sein, dass ein auskömmlicher Ruhestand wesentlich vom Geschlecht abhängt.“

Kränzlein kritisiert, dass die Familienpolitik der Staatsregierung Frauen systematisch benachteilige, indem sie sich an lebensfremden, längst überholten Rollenbildern orientiere: „Das Landesbetreuungsgeld zielt auf die Beibehaltung des Modells des männlichen Alleinernährers ab. Die Zeche zahlen im Alter dann die Frauen.“ Auf eine frühere Anfrage hatte das Sozialministerium die enormen Rentenunterschiede zwischen den Geschlechtern mit Hinweis auf den möglichen Bezug einer Witwenrente relativiert. Kränzlein ist empört: „Anstatt die Erwerbstätigkeit und damit eine auskömmliche Rente von Frauen zu fördern, rät die Staatsregierung: ‚Heirate einen gut verdienenden Mann und hoffe, dass er früh stirbt.‘“ An einer Gleichstellung der Geschlechter sei die CSU ganz offensichtlich nicht interessiert, kritisiert Kränzlein.

Die Politik müsse schleunigst für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen, um Frauen nach der Babypause eine reibungslosere Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen und sie vor der Teilzeitfalle zu bewahren., fordert Kränzlein. Die Familien- und Sorgearbeit der Frauen darf am Ende nicht zu einer Entwertung der Lebensleistung führen.

Zudem trage die Entgeltungleichheit zu den geringen Renten der Frauen bei. „Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beträgt stellenweise über 20 Prozent. Das ist unserer Gesellschaft unwürdig.“ Die SPD-Landtagsfraktion fordere deshalb gesetzliche Regelungen zur Gleichstellungen in der Wirtschaft sowie im öffentlichen Dienst. Der Freistaat Bayern müsse ein Vorbild bei der Schaffung gleichwertiger Karrierechancen sein, betont Kränzlein. Prekäre Arbeitsverhältnisse, insbesondere in den sogenannten Frauenberufen, müssten ein Ende haben: „Frauen haben nicht nur generell seltener einen festen Job, sie arbeiten auch allzu oft nur in Teilzeitmodellen, haben kaum Karrierechancen und verdienen weniger als ihnen zustehen würde.“ Entgegensteuern ließe sich durch bessere Angebote der Kinderbetreuung und paritätische Elternzeit-Modelle.